Hier folgt nun der 4. und letzte Reisebericht von meiner Central America Reise.
Einmal mehr gab es nach meinem 3. Reisebericht viele tolle Reaktionen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.
Kurz nachdem ich meinen 3. Bericht abgeschickt hatte, so um 17 Uhr, hat es dann noch noch aufgehört zu regnen. Also verliess ich mein Cottage und spazierte etwas durch das Dorf. Es ist ein witziges Dorf. Einerseits hat es hier viele junge verrücke Surfer und andererseits auch viele pensionierte Amerikaner, die sich Puerto Viejo für ihren Alterswohnsitz ausgesucht haben. Ich habe selber einen pensionierten Kollegen, der hier ein Stück Land gekauft hat und wollte ihn eigentlich hier treffen - doch er hatte seine Reise verschoben. Die Auswahl an Restaurants ist riesig und es fiel mir nicht leicht, mich zu entscheiden. Ich entschied mich dann für ein Restaurant mit Fernseher - findet doch diesen Abend das erste Barrage Spiel zwischen Costa Rica und Urugay für die Fussball WM statt, welches Costa Rica leider 0:1 verlor. Doch deswegen trat in diesem Dorf kein Tumult auf, man nahm es recht gelassen.
Da der Wetterbericht auch für die nächsten Tage nicht so toll war, entschied ich mich am nächsten Tag, weiter zu fahren. Ein erster Bus sollte mich an die Grenze zu Panama bringen. Tatsächlich erreichten wir nach etwa 1 1/2 Stunden und vielen Stops die Grenze. Hier hiess es auszusteigen und den Weg selb er zu finden. Der Grenzübertritt war aber sehr unkompliziert. Nach nur einer Minute hatte ich meinen Ausreisestempel und wurde zu Fuss über eine Eisenbrücke mit ein paar Brettern als Fahrweg geschickt. Dort ging die Einreise nach Panama ebenso problemlos. Wie so oft gab mein beinahe voller Pass mit den sehr farbigen Einträgen von Afrika Anlass zu einem kurzen Schwatz mit dem Beamten. Dann wurde ich von zahlreichen Taxifahrern angehauen für eine Weiterfahrt. Doch ich wollte eigentlich mit dem Bus weiter fahren. Doch weit und breit war nicht einmal ein Chicken-Bus zu sehen. Also machte ich mich einmal zu Fuss auf den Weg. Nach nicht langer Zeit passierte mich dann ein Sammeltaxi und brachte mich für 1.20 UDS zum Busterminal im nächsten Dorf. Dort wartete ein eher kleiner Bus bereits auf die Fahrt nach David. Nach einem kleinen Imbiss ging die Reise los. Immmer mehr Leute stiegen zu und es wurde immer enger! Nachdem die Reise anfangs noch entlang der Karibikküste verlief, ging es dann über die Berge quer durch Panama. Obwohl die Strasse auf den meisten Karten nicht einmal eingezeichnet ist, war sie noch ganz akzeptabel, mindestens dort wo sie nicht von Bergrutschen mitgenommen wurde. Auch hier war ich der einzige "Gringo" (=Ausländer) im Bus und konnte mein Spanisch anwenden. Das ging mittlerweile schon recht gut. In David am Busterminal musste ich mich dann wieder orientieren. Es war noch nicht ganz dunkel, also machte ich mich zu Fuss auf die Suche nach einer Unterkunft. Auch hier hat sich wieder gezeigt, wie gut es ist, "leicht" zu reisen. Mit meinem Rucksack hatte ich stets freie Hände für den Stadtplan in meinem Reiseführer. Ich fand dann auch eine recht ansprechende Unterkunft in einem Mittelklass Hotel für nur 30 USD. Für das Abendessen wählte ich für einmal einen Tipp aus dem Reiseführer, welcher sich als gut herausgestellt hat.
Der nächste Tag stand wieder im Zeichen einer Busfahrt. Es galt noch meine letzte grösssere Busfahrt nach Panama City zu bewältigen, immerhin über 400 km. Dafür gab es mindestens anständige Busse, die nicht an jeder Strassenecke hielten. Die Reise nahm den ganze Tag in Anspruch. Panama City ist eine grosse Stadt ohne eigentliches Zentrum. Also musste ich mich bei der Auswahl der Unterkunft auf ein Quartier festlegen. Die Unterkünfte dort waren nicht so toll oder teuer. Da es mittlerweile schon dunkel war, habe ich mich dann für irgendeine Pension entschieden. Die war so schlecht doch nicht.
Für den nächsten Tag stand nochmals ein Highlight auf dem Programm. Ich wollte mit dem Zug entlang des Panama Canals nach Colon an der Karibikküste fahren. Dieser verlässt Panama City bereits um 7.15. Also war ich schon um 6.45 am Bahnhof, um mir mein Ticket zu besorgen. Leider gab es dort keine Verpflegungsmöglichkeiten, doch diese sollte sich später trotzdem, dass ich kein Frühstück hatte, als nicht so schlimm herausstellen. Der Zug war sehr schön und hatte sogar einen Panorama Wagen, wo ich mich natürlich hinsetzte. Zu meiner Überraschung wurde dann sogar ein Desayuno (Frühstück) serviert. Auf der Fahrt selber habe ich dann aber nicht ganz soviel gesehen, wie ich erwartet hatte. Insbesondere war nicht so viel Schiffsverkehr um diese Zeit. Aber die Seenlandschaft (der grösste Teil des Kanals besteht aus natürlichen Seen) war sehr schön. Nur zu schnell sind wir dann in Colon angekommen. Diese Stadt wurde im Reiseführer als sehr gefährlich beschrieben. Mit einem Franzosen zusammen nahm ich dann ein Taxi zu den nahegelegenen Schleusen. Da war gerade Betrieb und so war es entsprechend interessant. Wir zwei waren die einzigen Besucher und wurde überhaupt nicht auf Waffen oder Bomben untersucht, wenn wir das Gelände betraten. Dies ist recht erstaunlich - waren wir doch nur Meter von einem grossen Tanker entfernt und hätten den problemlos sprengen und auch die ganze Anlage zerstören können. Die Führung vor Ort war sehr interessant. Erst jetzt weiss ich, warum es überhaupt Schleusen braucht für diesen Kanal, verbindet er doch zwei Weltmeere mit der Höhe 0. Doch die Süsswasser Seen, die den grössten Teil des Kanals ausmachen, liegen eben höher als das Meer! Schon bei der Wahl des Taxis habe ich gespürt, wie der Franzose extrem misstrauisch und vorsichtig war. Später hat er mir dann auch erzählt, warum. Er wurde in Managua von einer älteren Frau vom Bus in ein Taxi gelockt und dort auf brutalste Weise bedroht und ausgeraubt. Dabei hat er praktisch alles verloren und mittels PIN Code wurden auch seine Kreditkarten geplündert. Oooops - und ich war doch auch in Managua. Mir wurde es schon etwas mulmig, als ich das hörte.
Mit diesem Tag hatte ich eigentlich meine "Mission" erfüllt. Ich habe es ohne Zwischenfälle geschafft, die etwa 3000 km von Belize nach Panama mit dem Bus zu bewältigen. Gemäss meinem Plan wären jetzt noch 2 Tage in Kolumbinen vorgesehen gewesen. Doch ich habe mich dann dagegen entschieden und beschlossen, bereits am Mittwoch statt am Samstag meine Heimreise anzutreten. Irgendwie hatte ich genug vom unbeständigen Wetter, vom allein Reisen und ich wollte das Schicksal auch nicht zu stark herausfordern, ist doch Kolumbien auch ein sehr gefährliches Land. Doch erst am Mittwochmorgen erhielt ich von unserem Staff Travel Büro überhaupt die Info, dass ich trotz der übervollen Flieger für meinen Flug von Miami nach ZRH umgebucht werden konnte. Also stieg ich in einen Bus zum Flughafen, der etwa 30 km ausserhalb der Stadt lag. Da konnte ich Central America nochmals hautnah erleben. Für die 30 km brauchte der Bus ca. 2 Stunden und er hat sicher etwa 200 mal angehalten! Es gab zwar mehrere Flüge von Panama nach Miami, doch für den von mir vorgesehenen wurde es immer knapper. Endlich am Flughafen angekommen wurde ich dann schon auf den nächsten Flug verwiesen und sollte in einer langen Reihe anstehen. Doch ich fragte einfach jemand andern und schwupps hatte ich einen Boarding Pass für den Flug, den Panama eine halbe Stunde später verliess. So einfach kann Standby Reisen sein: Am Morgen wusste ich noch nicht, dass ich überhaupt an diesem Tag nach Hause fliege und ein paar Stunden später war ich schon im Flugzeug. Nach einem schönen Flug erreichte ich Miami und versuchte mich so weit es ging, wieder in einigermassen gepflegte Kleidung umzuziehen. Dann ging es ans Business Check-In, wo bereits einen Sitz und einen Voucher für die Lounge bekam. Nach ein paar Stunden in der Lounge ging es dann in den Airbus von Swiss und entsprechend gepflegt nach Hause.
So endete also meine ungewöhnliche Reise etwas vorzeitig, was aber für mich ok ist. So konnte ich mich zuhause wieder etwas zurechtfinden, bevor ich nun am Montag wieder zur Arbeit gebe. Ich hoffe, ich konnte euch mit meiner Berichterstattung etwas in die Welt von Central America versetzen. Es war eine tolle Reise mit vielen Erlebnissen. Aber ich bin auch gerne wieder nach Hause gekommen und habe mich unheimlich gefeut, Jonah wieder gesund und unbeschadet in den Armen zu haben.
